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Wechselschnittstelle

Die Mio42 wurde beauftragt eine Wechselschnittstelle nach § 371 Abs. 1 SGB V zu entwickeln. Diese dient dazu, Patientendaten bei einem Wechsel des Praxisverwaltungssystems (PVS) sicher, einheitlich und verbindlich zu übertragen. Sie soll bestehende Wechselhürden abbauen – etwa durch proprietäre Datenformate, Cloud-Hosting, hohe Kosten oder eingeschränkte Usability – und damit echte Systemwahlfreiheit für Arztpraxen ermöglichen. Der Fokus liegt dabei auf einem holistischen Datenmodell für Interoperabilität und Standardisierung sowie der Sicherstellung einer angemessenen Performanz im Wechselprozess.

Perspektivisch wird die Wechselschnittstelle zur Mehrwertschnittstelle weiterentwickelt um Vorteile während der regulären PVS-Nutzung zu ermöglichen. Diese erweitert den Fokus von reiner Datenmigration auf ein interoperables Ökosystem, in dem Praxen digitale Anwendungen flexibel integrieren und Prozesse effizienter und sicherer gestalten können.

Ziel ist es, Interoperabilität, Datenqualität, Sicherheit und Workflow-Effizienz im Praxisalltag zu erhöhen, Innovationsoffenheit zu fördern, Barrieren im Praxisbetrieb und Abhängigkeiten abzubauen und langfristig ein modernes, standardisiertes und patientenorientiertes Gesundheitssystem zu unterstützen. Essentiell für den Erfolg des Entwicklungsprozesses ist ein praxisnaher und transparenter Austausch mit iterativen Entwicklungsschleifen. Daher entwickelt Mio42 diese Schnittstelle im Co-Creation Ansatz mit der Gematik und der Industrie und in enger Abstimmung mit dem BMG.

Mit der neuen Wechselschnittstelle, sollen die bestehenden Performanz- und Praktikabilitätsprobleme der alten Archiv- und Wechselschnittstelle V 1.2.0 behoben werden. Der Interop Council hat dazu innerhalb des Arbeitskreises "Analyse der Effizienz der AWSt" mit relevanten Expert:innen ein Positionspapier entwickelt, in dem identifizierte Schwachstellen in der Umsetzung der Schnittstelle und konkrete Handlungsempfehlungen für eine optimierte Umsetzung mit FHIR aufgeführt wurden.


Wo stehen wir?

Das Projekt zur Wechselschnittstelle hat kürzlich einen wichtigen Meilenstein erreicht. Nach dem erfolgreichen Kick-Off der Co-Creation-Phase wurde der Weg für eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten geebnet. In der Discovery-Phase haben sich Mio42, Gematik und Vertreter der Industrie intensiv mit der Konzeptionierung und Lösungsfindung für die bestehenden Performance- und Praktikabilitätsprobleme der alten Archiv- und Wechselschnittstelle beschäftigt. Zwei gemeinsame Workshops ermöglichten eine detaillierte Analyse der Herausforderungen und legten die Grundlage für die weitere Entwicklung.

Im Fokus stand vor allem die Frage, wie die bestehende Schnittstelle auf Basis des FHIR-Standards weiter optimiert und gleichzeitig praktikabel gestaltet werden kann. Das Format wird nun anhand der Handlungsempfehlungen aus dem Positionspapier des Interop Council kritisch auf die Probe gestellt. Diese Empfehlungen beinhalten unter anderem Ansätze zur Modularisierung der FHIR-Profile und zur Reduzierung von Datenmengen, um die Performance bei großen Datenbeständen zu verbessern.

Derzeit befindet sich das erste Arbeitspaket des Projekts in der Erstellung. Ziel dieses Arbeitspakets ist es, eine erste funktionsfähige Implementierung der optimierten Wechselschnittstelle zu entwickeln, die als Grundlage für zukünftige Iterationen und Anpassungen dienen wird.

Nächste Schritte

Im weiteren Verlauf des Projekts stehen nun mehrere entscheidende Schritte an, um die Entwicklung der Wechselschnittstelle voranzutreiben und sicherzustellen, dass die optimierte Lösung sowohl technisch als auch praktisch den Anforderungen entspricht.

Zunächst wird das Informationsmodell sowie die FHIR-Profilierung für das erste Arbeitspaket abgeschlossen. Anschließend erfolgt die Kommentierung des ersten Arbeitspakets, bei der alle relevanten Stakeholder ihre Rückmeldungen einbringen können. Mio42 nimmt auf Basis der Kommentierung etwaige Optimierungen und Anpassungen vor. Sobald Arbeitspaket 1 finalisiert und kommentiert wurde, wird mit der Erstellung und Kommentierung des zweiten Arbeitspakets fortgefahren. 

Im Anschluss daran folgt eine umfassende Vertestung der ersten beiden Arbeitspakete unter Berücksichtigung der Handlungsempfehlungen aus dem Positionspapier des Interop Councils. Diese Testphase wird sicherstellen, dass die entwickelten Lösungen in der Praxis funktionieren und den gewünschten Leistungsanforderungen gerecht werden. Ziel der Tests soll sein, die Eignung von FHIR als Datenformat für die Wechselschnittstelle zu evaluieren. Dabei wird überprüft, ob FHIR die nötige Performance und Interoperabilität bietet, um als dauerhaft tragfähiger Standard für den Datenaustausch zwischen den Systemen zu dienen.