MIO Patientenkurzakte

Der Notfalldatensatz (NFD) und der Datensatz der Persönlichen Erklärungen (DPE) der versicherten Person, die im Rahmen der Telematikinfrastruktur (TI) als Notfalldaten-Management (NFDM) zusammengefasst und bislang auf der elektronischen Gesundheitskarte der versicherten Person gespeichert werden, sollen zukünftig in eine eigene Online-Anwendung überführt werden. Das MIO Patientenkurzakte (PKA) repräsentiert die beiden Datensätze des NFDM und spezifiziert die Datenelemente semantisch und syntaktisch, um sie für einen interoperablen Austausch national sowie international anwendbar zu machen. 

MIO-Umsetzung

Das MIO PKA ist eine medizinische Datenstruktur, welche die KBV semantisch und syntaktisch nach § 355 SGB V definiert. Mit der Überführung der TI-Datensätze NFD und DPE in die MIO-Struktur wird die nationale und internationale Interoperabilität des Notfalldaten-Managements angestrebt.

Das MIO PKA soll im Rahmen der Online-Anwendung "elektronische Patientenkurzakte" (ePKA) eingesetzt werden. Dabei soll:

  1. die Überführbarkeit von NFD und DPE von der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in die Online-Anwendung ePKA sichergestellt und 
  2. ein international kompatibles FHIR-Format für die EU-weite Bereitstellbarkeit der Daten über den National Contact Point (NCP) erstellt werden.

Die Online-Anwendung wird durch die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik GmbH) als Speicherort entwickelt und durch die jeweilige Krankenkasse der versicherten Personen ab 2023 bereitgestellt. Im Rahmen des EU-weiten Austauschs von Patienteninformationen über die europäische Dateninfrastruktur eHDSI erfolgt die Bereitstellung der Daten durch den National Contact Point for e-Health (NCPeH) durch die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (DVKA). Die Spezifikation des NCPeH wird von der gematik GmbH bereitgestellt.

Perspektivisch bietet der MIO-Ansatz die Möglichkeit, eine einfache Erweiterung von medizinischen Inhalten vorzunehmen und somit die Anwendbarkeit der elektronischen Patientenkurzakte in unterschiedlichen Use Cases zu ermöglichen. Die Datenstruktur Patientenkurzübersicht (PKÜ) bietet mit ihrem umfangreichen medizinischen Informationsmodell interessante Entwicklungspotenziale.

Wo stehen wir?

Das MIO PKA wurde in Abstimmung mit den maßgeblich betroffenen Fachgesellschaften und Spitzenorganisation im Vorfeld der Kommentierung und Benehmensherstellung (im Rahmen von fachlichen Reviews) erstellt. Um die Funktionalität des MIO im Rahmen der neuen Online-Anwendung sicherzustellen, stimmt sich die mio42 GmbH regelmäßig mit dem zuständigen Produktteam der gematik GmbH ab.

Die Kommentierungsphase für das MIO PKA lief vom 23.08.2021 bis zum 03.10.2021.

Die Benehmensherstellung wurde vom 03.01.2022 bis zum 31.03.2022 durchgeführt. Da mit dem MIO PKA erstmalig das Expertengremium Interop Council ins Benehmen gesetzt wurde, wurde die Phase der Benehmensherstellung aus Gründen der gleichberechtigten Abgabe von Stellungnahmen verlängert. Die Ergebnisse der Benehmensherstellung sind hier veröffentlicht: Stellungnahmeergebnisse.

Der Vorstand der KBV hat das MIO Patientenkurzakte 1.0.0 beschlossen. Die Festlegung finden Sie hier: technische Spezifikation (normativ). Das Informationsmodell zur Festlegung finden Sie hier: Erläuternde Informationen (informativ).


Stand: Juni 2022





Status