Über SNOMED CT® wird im Gesundheitswesen in Deutschland seit Jahren viel diskutiert. Jeder, der nicht tief in den Fachbezeichnungen steckt, fühlt sich dabei schnell verloren. Was ist eigentlich SNOMED CT®? Wie unterscheidet es sich von der geläufigen ICD-Klassifizierung? Und vor allem: Warum verwenden wir es für die MIOs?


Die Kurzbezeichnung SNOMED CT® steht für die „Systematized Nomenclature of Medicine and Clinical Terms“ und gehört zur Fachsprache klinischer Terminologiesysteme, die unter anderem für die elektronische Patientenakte (ePA) verwendet wird. Der Anspruch von SNOMED CT® besteht also darin, sämtliche für die medizinische Fachwelt verbindlichen Ausdrücke abzubilden. Dieser Terminologiestandard ist umfassend, international anerkannt und inzwischen mehrsprachig. In der Umsetzung von SNOMED CT® in Deutschland kann daher bereits auf Erfahrungen aus anderen Ländern zurückgegriffen werden.



Die Klassifizierung nach ICD-10 eignet sich gut, um Diagnosen grob zu erfassen und immer unter demselben Code zu finden. ICD ist in einer Art Kapitelstruktur aufgebaut, bei der die einzelnen Diagnosen hierarchisch angeordnet sind. Gleichzeitig bringt diese strikte Sortierung jedoch Flexibilität, um Zusammenhänge zu beschreiben. Nimmt man das Beispiel ‚Melanom‘, so findet sich dieses stets unter C43 (Bösartiges Melanom der Haut). Obwohl das Melanom gleichzeitig auch eine Hautkrankheit ist, kommt es bei L00-99 (Krankheiten der Haut und der Unterhaut) nicht vor.


SNOMED CT® hingegen klassifiziert nicht nur Diagnosen, sondern ist eine Terminologie, die medizinische Fachausdrücke abbildet und zueinander in Beziehung setzt. Wie in einem Spinnennetz sind die einzelnen Punkte miteinander verknüpft und stellen Verbindungen untereinander her. Betrachtet man also das Beispiel des Melanoms, so würde der Begriff sowohl bei einer Abfrage nach Hauterkrankungen, als auch bei einer Suche nach Tumoren auftauchen. Derzeit existieren sogar mehr als 1 Million Beziehungen zwischen den sogenannten ‚Konzepten‘ in SNOMED CT®.


SNOMED CT® besteht im Gegensatz zu ICD-10 aber nicht nur aus Diagnosen, sondern auch aus Symptomen, Befunden oder Anwendungen und strukturiert diese Daten, indem es ihnen weltweit gültige Codes zuordnet. Da es jedoch bereits mehr als 300.000 Einträge in SNOMED CT® gibt, soll es die gebräuchliche Klassifizierung ICD-10 für die MIOs nicht ersetzen, sondern als zusätzliche Codierungsschicht fungieren. Die zahlreichen Beziehungen zwischen Konzepten in SNOMED CT® machen die Terminologie darüber hinaus viel genauer als die Klassifizierung ICD und somit besser nutzbar.


Damit sich niemand an ein völlig neues, komplexes System gewöhnen muss, soll SNOMED CT® für den Benutzer nicht direkt sichtbar werden, sondern nur im Hintergrund Verwendung finden. Die IT-Systeme können die SNOMED CT® Codes nutzen und darauf basierend dem Nutzer z.B. sinnvolle Filter- oder Suchfunktionen anbieten, die unabhängig von Synonymen oder Abkürzungen funktionieren.