Status Quo - Was seit der Kommentierung geschah
Während der öffentlichen Kommentierung im Spätsommer 2022 sind über 130 Kommentare eingegangen. Dabei wird jeder einzelne Kommentar einer gründlichen Prüfung unterzogen und fachlich bewertet. Zur eingehenden Klärung komplexer Themen und Fragestellungen wurde eine Auswertung gemeinsam mit Mitgliedern aus der AG Fachgremien Labor vorgenommen. Konkrete Verbesserungen befinden sich in der Umsetzung.
Derzeit werden zudem Visualisierungen als Inspiration für die native Implementierung und die Einbindung des MIO Laborbefund in Primärsystemen erarbeitet. Daneben werden MIO-laborspezifische Versorgungsprozesse aus Anwenderperspektive analysiert und entsprechende Prozessanalysen erstellt, die aufzeigen sollen, wie der Versorgungsprozess mit dem MIO Laborbefund zukünftig aussehen könnte. Wir planen hier zeitnah sowohl aktuelle Visualisierungen als auch Prozessanalysen zu veröffentlichen, was hilfreich in der Kommunikation mit den Anwender:innen und mit den Herstellern sein wird. Ein Beispiel für eine MIO Laborbefund Visualisierung finden Sie hier. Dabei handelt es sich um den aktuellen Arbeitsstand sowie die exemplarische Anzeige eines einzelnen Laborbefundes:
Eine erste Teilveröffentlichung zu den Kommentierungsergebnissen erfolgte im Dezember 2022, sodass sich das MIO Laborbefund aktuell in der Vorbereitung der zweiten Teilveröffentlichung befindet. Weitere Themen benötigten bzw. benötigen eine intensivere Auseinandersetzung. Dies sind insbesondere folgende:
Modellierung der "Probe"
Es werden fehlende Strukturen zum Status und Zustand der Probe ergänzt. Die Modellierung orientiert sich am FHIR-Standard und EU-Guidelines.
Modellierung der "Interpretation"
Wir überprüfen die zulässigen Terminologien und orientieren uns unter anderem am HL7-ValueSet "Observation-Interpretation“.
Der Bereich Interpretation wird dahingehend geschärft, dass die bisher häufig verwechselten Begrifflichkeiten Interpretation und qualitatives Analyseergebnisse abgegrenzt werden. Mit Interpretation ist die Bewertung des Ergebnisses dahingehend gemeint, ob eine Krankheitsbedeutung vorliegt. Bei einem qualitativen Analyseergebnis wird beschrieben, was nachgewiesen wurde, z.B. das Vorhandensein eines Antikörpers.
Korrekte Darstellung von numerischen Ergebniswerten
Neu diskutiert wurde die korrekte Darstellung von numerischen Ergebniswerten. Zu einem Wert aus einem linearem Ergebnisbereich ist die Abbildung linearer Referenzbalken zulässig. Bei einem Wert aus einem non-linearem Ergebnisbereich (z. B. Titer-Angaben oder Zahlenfolgen) dürfen Referenzbereiche nicht mathematisch linear dargestellt werden, beispielsweise dürfen hier keine Referenzbalken angezeigt werden. Um diese Unterscheidung für das anzeigende System treffen zu können, wird die Datenstruktur um das Element "Kennzeichen non-linear" ergänzt. Das Kennzeichen wird von den Laboren mitgegeben.
Zuordnung der Laborergebnisse zu einem Laborbereich (z. B. Hämatologie) und fachliche Gruppierung (z. B. Kleines Blutbild)
Im Beirat gab es die Anregung, dass die Terminologien, Anordnung und Zugehörigkeit der Analysen zu sog. Laborbereichen und Gruppierungen deutschlandweit einheitlich festgelegt werden sollten, weil dann zukünftig Ergebnisse aus verschiedenen Laboren einheitlich kumulativ dargestellt werden können. Aus der Anwenderperspektive wäre das ein relevanter Nutzen. Wir haben uns in diesem Kontext mit Vertretern der ELGA GmbH aus Österreich ausgetauscht, die dieses Prinzip umgesetzt hat: für solche Festlegungen wäre eine kontinuierlich arbeitende Expertengruppe notwendig, welche die sehr aufwändige Pflege der Terminologien sicherstellt und Fallbacklösungen für fehlende Terminologien schafft. Als Ergebnis haben wir mitgenommen, dass die Laborbereiche aus der ELGA Laborstruktur keinesfalls ohne Überarbeitung für Deutschland übernommen werden sollten. Da die erwähnten Voraussetzungen erst noch geschaffen werden müssten, kann es im MIO Laborbefund der ersten Version keine konkrete Umsetzung geben.
Kumulative Darstellung von Laborergebnissen aus verschiedenen Laboreinrichtungen
Hierbei geht es um die Darstellung von Laborergebnissen aus verschiedenen Laboren in einer gemeinsamen Ansicht. Vergleichbare Laboruntersuchungen sind unter rein formalen Kriterien Laboruntersuchungen, die mit dem selben LOINC-Code kodiert, mit dem selben Reagenz und dem selben Gerät gemessen wurden. Für den alltäglichen medizinischen Gebrauch wird diese Vergleichbarkeit in einem weiteren Rahmen betrachtet: z. B. wird in Primärsystemen konfiguriert, welche ggf. unterschiedlich kodierten Laboruntersuchungen in eine Vergleichsansicht geschrieben werden dürfen. Unter den Laborexpert:innen der AG Fachgremien Labor (Beirat) wird der pragmatische Ansatz diskutiert, eine deutschlandweit gültige "Clusterung", d.h. Gruppierung von LOINC-Codes für eine solche kumulative Darstellung zu definieren. Damit soll das Erkennen von vergleichbaren Analysen als Voraussetzung für eine korrekte Interpretation und Ableitung von Behandlungsmaßnahmen gewährleistet werden. Auch hier müssen die Voraussetzungen erst noch geschaffen werden, um zukünftig eine deutschlandweit einheitliche Implementierung in den jeweiligen IT-Systemen zu ermöglichen.
Mikrobiologische Laborbefunde
Die Modellierung des Laborbereichs Mikrobiologie mit dem Fokus auf die Kulturdiagnostik ist für eine Folgeversion des MIO vorgesehen. Laut Feedback aus unserer AG Fachgremien Labor sind in der ersten Version des MIO Laborbefund bereits etwa 90% der mikrobiologischen Laboruntersuchungen mit abgedeckt. Ca. 10 % benötigen darüber hinaus für Kulturdaten und Antibiogramme eine eigene Struktur.
MIO VIEWER
Der MIO Viewer für das MIO Laborbefund wird zukünftig als integrierbare Komponente für Primärsysteme bereitgestellt. Dieser soll vor allem dann unterstützen, wenn eine integrative Implementierung des MIO im jeweiligen System bislang nicht erfolgt ist, die über das MIO übermittelten Labordaten jedoch als Informationsquelle bei der Behandlung herangezogen bzw. angezeigt werden sollen.
Über den MIO Viewer werden die im MIO Laborbefund enthaltenen Informationen strukturiert und hierarchisch angezeigt. Anders als bei einer integrativen MIO-Implementierung bietet der MIO Viewer nicht die Möglichkeit, Informationen aus dem MIO technisch in die Primärdokumentation des Systems zu übernehmen. Der MIO Viewer dient vielmehr als Sekundärdokumentation und repräsentiert lediglich einen bestimmten Versionsstand eines MIO. Der MIO Viewer als eine MIO-Anzeige für das MIO Laborbefund ist somit nicht vorgesehen für eine Queranalyse, z. B. für kumulative Darstellungen. Das sind bspw. Funktionalitäten über eine Suche, die bei Bedarf von den Softwareherstellern in den jeweiligen Primärsystemen zu implementieren sind.
Technisch wird der MIO Viewer als Anzeige-Modul für Primärsysteme entwickelt, basierend auf Web-Komponenten in TypeScript. Damit der integrierbare MIO Viewer auch mit der jeweiligen Primärsystem-Oberfläche harmonisiert, können Icon-Farben, Schriften oder auch Hintergründe durch CSS-Variablen angepasst werden.
Die Entwicklung des MIO Viewer erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen mio42 und bvitg. Sobald konkrete Informationen zum MIO Viewer Laborbefund vorliegen, wird an dieser Stelle informiert.
Aktueller Arbeitsstand
Sobald diese wesentliche Arbeitsphase erfolgreich beendet ist, gibt es eine finale Abstimmungsrunde mit dem Beirat (AG Fachgremien Labor)m, der Industrie und weiteren Stakeholdern, aktuell geplant Anfang 2024, um im Anschluss daran eine Überarbeitung des MIO Laborbefund und die Beantwortung des zweiten Teils der Kommentierungsergebnisse vornehmen zu können. Alle Interessierten werden dazu rechtzeitig über die bekannten Kanäle informiert.
Weitere Themen
Haben Sie weitere Themen und Inhalte, die Sie in einem Laborbefund gern wiederfinden würden? Teilen Sie Ihre Ideen gern mit uns und nehmen Sie Kontakt auf:
E-Mail: mio@kbv.de
Stand: Dezember 2023